Beschlüsse
Beschlüsse der GMK 16.06.2021
TOP: 8.1 Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV)
Die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Gesundheit der Länder haben folgenden Beschluss einstimmig gefasst:
Die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Gesundheit der Länder sehen den Rückgang der Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen für Kinder während der Corona-Pandemie mit Sorge und betonen in diesem Zusammenhang neben dem Risiko eines zu späten Erkennens und Behandelns von Erkrankungen insbesondere die Bedeutung hoher Impfquoten im Kindesalter.
Die GMK fordert alle Akteure im Gesundheitswesen auf, im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Impfmotivation in der Bevölkerung zu stärken und darauf hinzuwirken, dass trotz Pandemie die Impftermine nach STIKO-Impfkalender unbedingt wahrgenommen werden. Insbesondere soll die Impfquote bei der HPV-Impfung (Impfung gegen Humane Papillomaviren) verbessert werden.
- Die GMK bittet das Bundesministerium für Gesundheit, die BZgA zeitnah mit einer Aufklärungskampagne zur HPV-Impfung zu beauftragen (Schwerpunkt: „Impfung gegen Krebs“ für Mädchen und Jungen; Ansprechpersonen primär Eltern). Auch Europas Plan gegen Krebs sieht bis 2030 eine Erhöhung der HPV-Impfrate auf mindestens 90 % der zu impfenden Mädchen und Jungen vor.
- Die GMK bittet das Bundesministerium für Gesundheit, in Umsetzung der Ziele des Nationalen Impfplanes die BZgA zu beauftragen, Arztpraxen mit herstellerneutralen Impf-Aufklärungsmaterialien für Patienten (z. B. Plakate und Faltblätter) zu weiteren empfohlenen, jedoch nicht ausreichend wahrgenommenen Impfungen zu unterstützen. Dabei sollen die fachlichen Ausrichtungen der Praxen und damit die unterschiedlichen Patientengruppen berücksichtigt werden. Hierbei können bereits in den Ländern bestehende Materialien verwendet werden, z. B. www.schleswig-holstein.de/impfen.
- Wegen der regional z. T. sehr unterschiedlichen Impfquoten, aber auch regional unterschiedlichen Impfhindernissen, unterstützen die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Gesundheit der Länder zusätzlich die Initiative der BZgA unter Ärztinnen und Ärzten und weiteren Multiplikatoren, wie z. B. Hebammen sowie Lehrerinnen und Lehrern, den Impfgedanken zu verbreiten. Ergänzend sollten Möglichkeiten der aufsuchenden Beratung/Erinnerung an Schulen (z.B. bzgl. Auffrischimpfungen im Jugendalter) idealerweise durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) und im Rahmen freier Kapazitäten als Aktionswochen und auch direkte Impfangebote in den Schulen umgesetzt werden. Bereits bestehende Aktivitäten in den Ländern können als Vorbild dienen. Die Kostenerstattung und Abrechnung mit dem ÖGD ist gemäß § 132e SGB V durch Abschluss von Vereinbarungen zwischen den Krankenkassen oder ihren Verbänden und den obersten Landesgesundheitsbehörden möglich.
Die GMK fordert alle Akteure im Gesundheitswesen auf, auf eine zeitgerechte Durchführung der Impfungen auch und gerade während der Corona-Pandemie hinzuwirken.
- Die GMK bittet die Krankenkassen, versicherte Sorgeberechtigte für Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren an die J1-Untersuchung zu erinnern, auch mit dem Ziel einer Verbesserung des zeitgerechten Impfschutzes.
- Die GMK bittet die Krankenkassen, für ihre Versicherten ebenfalls Impferinnerungssysteme zu etablieren bzw. weiterzuentwickeln.
- Die GMK bittet das Bundesministerium für Gesundheit, bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband Krankenkassen sowie im Rahmen des Fortbildungsangebotes der Ärztekammern auf eine Unterstützung eines standardisierten Impfmanagements in Arztpraxen sowie auf die Etablierung eines elektronischen Impfpasses mit einer evidenzbasierten Impf-Erinnerungsfunktion hinzuwirken.
- Die GMK bittet den Gemeinsamen Bundesausschuss, möglichst bald über die Erweiterung der Kinderrichtlinie und die Aufnahme der Früherkennungsuntersuchungen U10, U11 und J2 zu entscheiden.
Die GMK unterstützt nachdrücklich die Bemühungen der Nationalen Lenkungsgruppe Impfen (NaLI) zur Verbesserung der Impfquoten in Deutschland. Es wird angeregt, dass die o.g. Akteure ihre geplanten Aktionen der NaLI bzw. in der entsprechenden NaLI-Arbeitsgruppe (Masern-Röteln-HPV-Impfung) vorstellen und ggf. die Rückmeldungen in der weiteren Ausführung sowie mögliche Synergien in Betracht ziehen.
